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14. September 2005 Druckversion | Versenden | Leserbrief
TÜRKISCHER EU-BEITRITT
Helmut Schmidt lobt Merkels Position
Kurz vor der Wahl ist Alt-Kanzler Helmut Schmidt seiner Partei in der Türkei-Frage noch einmal in die Parade gefahren. Der SPD-Mann warnte erneut vor einer Aufnahme Ankaras in die EU und gab Unions-Kanzlerkandidatin Merkel Rückendeckung.
DPA
Helmut Schmidt (Archiv): "Absolut derselben Meinung" wie Merkel
Berlin - Es dürfe keine Freizügigkeit für die "Bevölkerungsüberschüsse" der Türkei geben, sagte Schmidt der Wochenzeitung "Die Zeit". In diesem Punkt sei er "absolut derselben Meinung" wie Angela Merkel. "Die Türken gehören einem uns völlig fremden Kulturkreis an", sagte der frühere Bundeskanzler. Die Re-Islamisierung des Landes sei "in vollem Gange".
Erneut bezeichnete es der ehemalige "Zeit"-Herausgeber als "Irrtum einiger deutscher Politiker", eine Demokratisierung in der Türkei würde ein Beispiel setzen für andere islamische Staaten. Insbesondere die Araber akzeptierten die Türken nicht "als Beispiel oder Vorbild". Über die geplante Aufnahme von Beitrittsverhandlungen sagte Schmidt: "Das ist kein Pakt, es gibt keinen Vertrag."
DPA
Schröder und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (2003): Verfechter des Beitrittplans
Die Bundesregierung betonte dagegen, an den geplanten EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei festzuhalten. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe deutlich gemacht, dass diese Verhandlungen "sehr hart" geführt würden, sagte Regierungssprecher Bela Anda in Berlin. Auch könne es zehn bis 15 Jahre bis zu einer möglichen EU-Aufnahme Ankaras dauern. Gleichwohl sei der Türkei schon seit 1963 unter dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) eine Vollmitgliedschaft in Aussicht gestellt worden. Daran habe sich auch in den folgenden Jahrzehnten nichts geändert.
Vielmehr sei Ankara stets versichert worden, dass die Türkei bei Erfüllung der Kriterien eines Tages auch EU-Mitglied werden könne, fügte Anda hinzu. Abgesehen von diesem Versprechen wäre es auch ein "enormer Sicherheitszuwachs", wenn die Türkei bei Erfüllung der entsprechenden Kriterien Teil der EU werde.
CSU-Landesgruppenchef Michael Glos kritisierte, wer den Wählern "vorgaukelt", dass eine EU-Vollmitgliedschaft der Türkei bei den Bürgern in Europa durchsetzbar sei, verdränge bewusst die Konsequenzen. Bevölkerungs- und Migrationsexperten warnten, "dass besonders in Anatolien die Menschen auf gepackten Koffern sitzen und auf den Tag des Umzugs nach Deutschland warten", behauptete Glos.
Er machte sich erneut für die von CDU und CSU angestrebte "privilegierte Partnerschaft" zwischen Ankara und der EU stark. Dies sei der richtige Weg, da er weder die Türkei noch Deutschland wirtschaftlich und gesellschaftlich überfordere.
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Matthias Geyer, Dirk Kurbjuweit, Cordt Schnibben: "Operation Rot-Grün"
Geschichte eines politischen Abenteuers
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Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) lehnte den von
Kirchhof vorgeschlagenen Einheits-Steuersatz von 25 Prozent gegenüber dem
SPIEGEL strikt ab. Dies widerspreche "dem deutschen Gerechtigkeitsgefühl", sagte
Wulff. Auch Baden-Württembergs Regierungschef Günther Oettinger (CDU) warnte vor
den finanziellen Risiken des Kirchhof-Modells für die öffentliche
Hand.
Stoiber sagte dagegen der "Bild am Sonntag", es sei eine
"hervorragende Lösung", wenn Kirchhof Bundesfinanzminister werde. Der ehemalige
Richter am Bundesverfassungsgericht sei "ein Glücksfall für die Union", denn er
verfüge über Mut und Reformbereitschaft. Zu seinen eigenen politischen Plänen
wollte sich Stoiber weiterhin nicht äußern. "Ich bin als Parteivorsitzender
natürlich bereit, nach Berlin zu gehen." Das werde aber erst entschieden, wenn
die Wahlen gewonnen seien. Auch Merkel stellte sich erneut hinter Kirchhof und
sein Steuermodell.
Das Regierungslager hatte seine Kritik an Kirchhof am
Wochenende erneuert: Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte der
"Welt" (Samstagsausgabe), mit Kirchhof werde klar, dass die Union die
Verteilungsgerechtigkeit im Steuersystem begraben wolle. Grünen-Chefin Katrin
Göring-Eckardt nannte das Steuerkonzept des Experten im "Tagesspiegel am
Sonntag" einen "Alptraum". Es mache "die Geringverdiener ärmer und führt den
Staat in den Bankrott".
SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler kritisierte
Kirchhofs Tätigkeit im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. In Anbetracht von dessen
vorgesehener Vergütung von jährlich rund 60.000 Euro durch die Bank sei dessen
Steuerkonzept "ein Akt der Selbstbegünstigung", erklärte
Stiegler.
Kirchhof selbst räumte vor dem Parteitag in der "Welt am
Sonntag" erstmals ein, die mit seiner geplanten Steuerreform verbundene
finanzielle Unsicherheit lasse die Einführung eines Steuersatzes von 25 Prozent
nur schrittweise zu. Er wolle für eine "Phase des Übergangs" zwei Prozentpunkte
mehr Steuern nehmen, als zur Gegenfinanzierung der gestrichenen Ausnahmen
benötigt würden.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bekräftigte seine
Kritik an den Plänen der Union zur Anhebung der Mehrwertsteuer von derzeit 16
auf 18 Prozent. Dies treffe vor allem Rentner, Studenten und Bürger in
Ostdeutschland, sagte Schröder im ZDF. Auch die Unions-Vorschläge zur Kürzung
der Pendlerpauschale und zur Streichung der Steuerfreiheit von Schichtzuschlägen
seien äußerst unausgewogen: "Das, was die Union dort vorschlägt, ist schlicht
sozial ungerecht", bemängelte Schröder.
Der nordrhein-westfälische
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) verteidigte die Mehrwertsteuererhöhung
im Deutschlandfunk als einziges Mittel, wieder zu Wachstum zu kommen.